Deutsches Waffengesetz: Elektroschocker und Pfefferspray

Ratgeber legale Waffen

Deutsches Waffengesetz - Elektroschocker und Pfefferspray
Deutsches Waffengesetz - Elektroschocker und Pfefferspray

Deutsches Waffengesetz – Elektroschocker, Pfefferspray und andere legale Waffen unterliegen dem deutschen Waffengesetz. Es herrscht oft der Glaube, dass wenn man eine Selbstverteidigungswaffe frei kaufen und mit sich führen darf, diese auch ungestraft eingesetzt werden kann. Dem ist nicht so! In diesem Beitrag erkläre ich dir, wie es rechtlich in Deutschland aussieht.

Die Flüchtlingssituation, die Kölner Silvesternacht 2015/2016, die Terroranschläge von Paris und Istanbul – all dies führte und führt zu einer hohen Verunsicherung unter den deutschen Bürgern. Die Folge: Die Verkaufszahlen legaler Waffen schießen in die Höhe. Gäbe es unser Deutsches Waffengesetz nicht, hätten wir vermutlich ähnliche Zustände wie in den Vereinigten Staaten. Dennoch steigt die Kauflust nach Waffen zur Selbstverteidigung.

Doch auch die Nachfrage nach dem sogenannten „Kleinen Waffenschein“ nimmt immer größere Dimensionen an. Laut einem Bericht der „Hessisch Niedersächsische Allgemeine“ wurden allein im Kreis Kassel im gesamten Jahr 2014 34 „Kleine Waffenscheine“ genehmigt, im Januar 2016 belief sich die Anzahl bereits auf 138 Anträge. (Quelle: https://www.hna.de/lokales/wolfhagen/kleiner-waffenschein-zahl-antraege-kreis-kassel-verzehnfacht-6031961.html)

Auch andere Landkreise verzeichnen einen enormen Anstieg nach dem Kleinen Waffenschein. Händler sogenannter „legaler“ Waffen freuen sich über rasant steigende Nachfrage. Freie Waffen Deutschland – das bedeutet keine Aufrüstung, aber es zeigt, dass sich die Bürger zur Wehr setzen möchten, falls es zu einem Zwischenfall kommt.

Zu den am häufigsten verkauften Waffen gehören Elektroschocker und Pfefferspray.

Im folgenden Artikel geht es um die Kernfrage, in wie weit Elektroschocker und Pfefferspray legal sind – also nicht dem Waffenschutzgesetz unterliegen. Die Vielfalt dieser Selbstverteidigungsmodelle ist riesig und zudem tummeln sich hinreichend schwarze Schafe im Internet. Deswegen ist man gut beraten, sich vor dem Kauf hinreichend über Elektroschocker und Pfefferspray zu informieren, bevor man kauft. Denn: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht! Legale Waffen zu kaufen, erfordert ein Minimum an Wissen. „Waffen kaufen illegal“ – das kann ganz schnell passieren, denn die Händler treten – gerade im weltweiten Netz – äußerst seriös auf und preisen ihre Produkte als erlaubte Waffen an. Deutsches Waffenschutzgesetz – was ist erlaubt, was ist nicht erlaubt?

Das Deutsche Waffengesetz (WaffG)

Deutsches Waffengesetz (WaffG)
Deutsches Waffengesetz (WaffG)

Um es im „Amtsdeutsch“ auszudrücken: Das Waffenschutzgesetz regelt den Umgang mit (bestimmten) Waffen und Munition zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Deutschland. Was heißt das jetzt genau? Im Grunde sind folgende Waffen nach dem WaffG ohne Waffenschein verboten:

  • vollautomatische Schusswaffen (auch ehemalige Kriegswaffen)
  • Schusswaffen, deren Gesamtlänge kleiner als 95 Zentimeter beziehungsweise die Lauflänge kürzer als 45 Zentimeter ist
  • Vorderschaftsrepetierflinte (allg. Pumpgun).
  • Mehrschüssige Pistolen
  • Waffenlampen und -laser
  • Nachtsicht- und Nachtzielgeräte mit Schussvorrichtung
  • Stahlruten, Totschläger, Schlagringe, Wurfsterne
  • Spreng- und Brandvorrichtungen (allg. Molotow-Cocktail)
  • Butterflymesser, Faustmesser, Springmesser
  • Reizstoffsprühgeräte ohne amtliche Zulassung
  • Elektroimpulsgeräte ohne Prüfzeichen, Airtaser

Das vollständige Waffenrecht in Deutschland ist unter diesem Link einsehbar: httpss://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/BJNR397010002.html

Für den großen Waffenschein sind strenge Sicherheitsvorschriften einzuhalten. So muss beispielsweise eine Notwendigkeit zum Führen einer Waffe vorhanden sein – für Privatpersonen fast nicht erfüllbar. Zudem muss körperliche und geistige Gesundheit bestehen, persönliche und soziale Unauffälligkeit und eine Privathaftpflicht mit der Deckungssumme von mindestens einer Million Euro bestehen. Das schreibt unser Deutsches Waffengesetz zum Waffenschein vor. Hinzu kommt noch ein Sachkundenachweis, keine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit und die Pflicht zur fachgerechten Aufbewahrung der Waffen nach dem WaffG.

Als ein Ableger des Gesetzes fungiert der Kleine Waffenschein. Er ermöglicht es, legal und ohne großen Aufwand beispielsweise Schreckschusswaffen bei sich zu führen.

Elektroschocker und Reizgase dürfen legal ohne einen Schein mit sich geführt werden, sofern sie bestimmte Anforderungen einhalten. Darum kümmern wir uns in den nächsten beiden Textabschnitten.

Elektroschocker legal?

Elektroschocker legal
Ist ein Elektroschocker legal?

Vorneweg muss zwischen einem Elektroschocker und einem Taser (Distanz-Elektroimpulsegerät) unterschieden werden. Während der Taser zwar auch über einen elektrischen Impuls den Gegner handlungsunfähig macht, ist diese Form verboten. Der Unterschied: Ein Taser schießt Kontakte über eine bestimmte Distanz, um eine Zielperson zu erreichen.

Ein Elektroschocker hingegen erfordert den direkten Kontakt, um wirksam zu sein – es ist also keine Distanzwaffe. Lediglich ein kleiner Kreis direkt an den Kontakten des Gerätes mögen aufgeladen sein, doch ein „Zielen“ über mehrere Meter ist nicht möglich.

E-Schocker können äußerst wirksam sein, wenn sie richtig eingesetzt werden. Es empfiehlt sich immer, den Notfall zu üben. Bedenke, dass Du Dich in einer Gefahrensituation anders verhältst, als im „Ruhemodus“ . Ein Elektroschocker ist ein Elektroimpulsgerät, welches zielgerichtet direkt „treffen“ sollte. Ansonsten kann es einen Angreifer erst richtig aggressiv machen – und genauso gerät manche Situation außer Kontrolle.

Elektroschocker sind nur dann legal, wenn sie über das Prüfzeichen der PTB (Physikalisch-Technische Bundesanstalt) verfügen. Damit wird die Unbedenklichkeit bestätigt. Alle Elektroschocker, die dieses Zeichen nicht haben, sind illegal und bedeuten einen Verstoß gegen das Waffengesetz!

Elektroschocker erlaubt? Ja, aber nur mit dem Prüfsiegel. Wer sich müde lächelnd über das Prüfsiegel hinwegsetzt, bekommt im Ernstfall erhebliche Schwierigkeiten. Und eigentlich lohnt sich das nicht, denn es ist ja vereinbar – die beiden Begriffe „Elektroschocker – Waffengesetz“.

Legale Elektroschocker (also die mit dem Zeichen der PTB) dürfen von Personen ab 18 Jahren erworben und mitgeführt werden.

Wann darf man Elektroschocker benutzen?

Wann darf man einen Elektroschocker einsetzen
Wann darf man einen Elektroschocker einsetzen?

Es ist zwingend zu beachten, dass der Einsatz eines Elektroschockers vom Grundsatz her einen Straftatbestand darstellt. Die einzige Ausnahme, die relevant sein kann, ist eine Notwehr- oder Nothilfesituation. Allerdings wird dies – im Falle einer Anzeige – im Einzelfall geprüft.

Missbräuchlicher Einsatz – Beispiel 1:

Du bist nachts auf dem Nachhauseweg. Plötzlich tritt ein Mann aus dem Gebüsch hervor, der dort eigentlich nur seine Notdurft verrichtete. Du erschreckst Dich so, dass Du sofort den Elektroschocker einsetzt. Der Mann stürzt und verletzt sich schwer am Kopf. Das könnte zur Folge haben, dass Du wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt wirst.

Notwehr- oder Nothilfesituation – Beispiel 2:

Du bist nachts auf dem Nachhauseweg. Plötzlich hörst Du Geräusche. Du folgst den Geräuschen und siehst, wie eine Frau absolut gegen ihren Willen sexuell missbraucht oder vergewaltigt wird. Der Täter hat ein Messer in der Hand, mit der er die Frau bedroht. Du zückst Dein Handy und informierst über den Notruf die Polizei, dann gehst Du auf den Täter zu, um ihn dazu zu bringen, von der Frau abzulassen. Tut er das nicht oder wendet er sich stattdessen Dir mit dem Messer zu, setzt Du Deinen Elektroschocker ein. Das wäre eine Notwehr- oder Nothilfesituation.

Kurz gefasst: Droht tatsächlich Gefahr, kann der Elektroschocker eingesetzt werden. Doch beachte: Ob eine reale Gefahr vorlag oder nicht, wird im Einzelfall ein Richter entscheiden!

Nicht erlaubt ist das Mitführen eines Elektroschockers auf Veranstaltungen. Somit hat der E-Schocker weder etwas auf einem Konzert noch in einem Stadion verloren. Da immer häufiger und strenger kontrolliert wird, solltest Du Dich an dieses Verbot auch halten. Letztendlich dient es unserem allgemeinen Schutz.

Beim Kauf eines Elektroschockers sollten immer auf einige Details geachtet werden. Der wichtigste Punkt ist das bereits angesprochene Prüfsiegel. Ein weiterer, wichtiger Punkt betrifft die Sicherheit. Einige Modelle bieten einen Sicherungsstift an, das bedeutet, dass der Elektroschocker mit einer Handschlaufe bestückt ist. Wird das Gerät gewaltsam entrissen, wird es durch den Sicherungsstift unbrauchbar – nur, um ein Beispiel zu nennen.

Video: Darf man einen Elektroschocker besitzen und mitführen?


Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt in diesem Video, ob man im Ausland einen Elektroschocker kaufen und nach Deutschland einführen darf. Ebenso geht er auf die Elektropistole (Taser) und das PTB-Prüfzeichen ein. Was ist erlaubt und was nicht? Und was ist mit den alten E-Schockern ohne PTB-Zeichen? Hier findest du die Antwort im Video.

Pfefferspray legal?

Pfefferspray legal
Ist Pfefferspray legal?

Pfefferspray gehört nach dem Waffenschutzgesetz zu den Reizsprühgeräten und ist somit eine Waffe. Laut Deutsches Waffengesetz ist Pfefferspray illegal. Dennoch wird es rege verkauft und zwar auch bei allseits bekannten Online-Händlern. Wie kann das sein?

Ganz einfach: Pfefferspray dient nicht dazu, Menschen abzuwehren. Es darf nur dann völlig legal an Personen ab 14 Jahren verkauft werden, wenn es hinreichend als „Tierabwehrspray“ deklariert wird.

Meist wird der Wirkstoff Oleoresin Capsicum im Pfefferspray verwendet. Da dieser Stoff aufgrund fehlender Studien und Tests gegen Menschen nicht zugelassen ist, deklarieren die Hersteller das Spray als „Tierabwehrspray“. Dieser kleine Zusatz verhindert, dass Pfefferspray gegen das Waffenrecht in Deutschland verstößt. Denn der Einsatz gegen Menschen ist verboten und wer sich ein Pfefferspray kauft, wird am Etikett darüber informiert, dass das gekaufte Spray nur zur Tierabwehr vorgesehen ist.

In Deutschland sind gesundheitlich unbedenkliche Stoffe und solche Sprays, die eine eingeschränkte Sprühdauer und Reichweite haben, zulässig. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt weist dies nach, indem sie auf legale Pfeffersprays ein Siegel vergibt.

Fazit: Pfefferspray ist in Deutschland nur legal zu kaufen, wenn es zur Tierabwehr dienen soll.

Eine Alternative zu herkömmlichen Pfefferspray ist CS Reizgas. Während die Substanzen beim Pfefferspray aus den Extrakten der Pfeffer- und Chilischote gewonnen werden, handelt es sich beim CS Reizgas um eine chemische Zusammensetzung. Pfefferspray wirkt im Gegensatz zum CS Reizgas immer, sofern es richtig eingesetzt wird. CS Gas hingegen hat bei manchen Personen keinerlei Wirkung, das zeigten in der Vergangenheit einige Studien.

Die Krux: CS Reizgas darf ab einem Alter von 14 Jahren bei angreifenden Personen eingesetzt werden, Pfefferspray darf nur gegen Tiere benutzt werden. Ob es sich um ein „zweibeiniges Tier“ handelt, sollte vor der Benutzung genau abgewägt werden.

Achte jedoch zwingend auf das Prüfsiegel, nur dann unterliegt der Besitz von Reizgas nicht dem Waffengesetz.

Pfefferspray und seine Spezifikationen

Auch die Handhabung mit einem Pfefferspray sollte geübt werden. Denn um sich vor einem „Tier“ zu schützen, hilft es wenig, wenn auffrischender Gegenwind einem selbst das Pfefferspray in die Augen bläst.

Unterschieden werden die die Strahleigenschaften von Pfefferspray. Ein Breitstrahl beispielsweise lässt viel Raum, um zu treffen. Doch dafür lässt sich der breite Strahl auch gerne vom Wind ablenken. Anders sieht es beim Weitstrahl aus. Hier ist eine Eigengefährdung fast schon ausgeschlossen.

Doch egal, welche Form Du wählst, übe immer den Ernstfall! Mit einer Dir vertrauten Person stellst Du eventuelle Situationen nach. Natürlich simuliert ihr den Einsatz des Elektroschockers oder des Pfeffersprays nur, doch wenn dann eine echte Gefahrensituation entsteht, sind Deine Handlungsabläufe automatisiert und Du agierst gelassener. Das zeigen unzählige Tests und Studien.

Hinweis:
Die Angaben zu Gesetze und Vorschriften auf diesen Seiten sind gut recherchiert, ersetzen aber keine Rechtsberatung. Daher sind alle Angaben ohne Gewähr. Wende dich bei Rechtsfragen an einen Fachanwalt. Der Betreiber dieser Website distanziert sich zudem ausdrücklich von Gewalt gegen Personen und Tiere und fordert auch nicht zu Gewalt auf.


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